Strukturierte Informationsammlung - SIS

Entbürokratisierung in der Pflege - kommt sie?

Im September und Oktober 2014 fanden Veranstaltungsreihen zum Thema "Effizienzsteigerung zur Entbürokratisierung in der Pflege" in ganz Deutschland statt. Die Ombudsfrau Elisabeth Beikirch stellte dazu die Ergebnisse aus dem Praxistest, der von Oktober 2013 bis Januar 2014 stattfand, vor.

Die letzte Veranstaltung dazu wurde am 16. Oktober 2014 in Frankfurt / Main durchgeführt.

Auf der ersten Fachtagung in Erfurt wurden von Frau Beikirch folgende Ziele der neuen Pflegedokumentation angeführt:

  • sie soll eine Grundstruktur geben (und damit einen Strukturwandel herbeiführen)
  • zeitliche Ressourcen sollen für die direkte Pflege zurückgewonnen werden
  • die SIS soll an andere Verfahren anschlussfähig sein
  • die Dokumentation wird (in erster Linie) nicht für Prüfinstanzen erfolgen
  • es soll keine "angstgetriebene" Dokumentation stattfinden
  • die Fachkompetenz der Pflegekräfte wird damit mehr Anerkennung erfahren

Dies alles soll zu einem grundsätzlich neuen Verständnis der Dokumentation führen.

Die vier Elemente des SIS Strukturmodells

Das SIS Strukturmodell basiert auf vier Elementen (vgl. Pflegeprozess des WHO-Modells)

 

SIS Element Eins
(Stammdatenblatt mit der Strukturierten Informationssammlung):

  1. Einstieg in den Pflegeprozess durch die SIS mit den Kernelementen "Eigeneinschätzung der pflegebedürftigen Person"
  2. "sechs Themenfelder zur fachlichen Einschätzung"
  3. "Matrix zur Einschätzung pflegesensitiver Risiken und Phänomene"

SIS Element Zwei 
(Maßnahmenplanung):

  1. Die Erkenntnisse aus der SIS (1. Element) bilden die Grundlage für die individuelle Maßnahmenplanung

SIS Element Drei
(Pflegebericht):

  1. Beide Elemente (Eins und Zwei) sind die Grundlage für die Fokussierung im Berichteblatt auf Abweichungen

SIS Element Vier
(Evaluation):

  1. Steuerung durch Festlegungen (individueller Evaluationsdaten aus Erkenntnissen der SIS, der Maßnahmeplanung und des Berichteblattes

Was ist das Neue an der SIS - Strukturierten Informationssammlung?

Auffällig ist, dass mit der SIS aus der Sicht des Pflegebedürftigen die Informationssammlung durchgeführt werden soll. Mit solchen Eingangsfragen wie zum Beispiel: "Was beschäftigt Sie zur Zeit am meisten?" oder "Wie können wir Ihnen helfen?" wird der Pflegebedürftige real in den Mittelpunkt gestellt und seine Bedürfnisse werden konkret erkannt.

Was können wir jetzt schon tun?

  • Jedes einzelne Blatt der bisherigen Dokumentation, einschließlich der Zusatzbögen, sollte auf seinen tatsächlichen Nutzen überprüft werden.

  • Die internen Dokumentationspflichten im Hinblick auf fachliche Erfordernisse und betriebliche Vorgaben sollten kritisch überprüft werden.

  • Zwischen dem Pflege- und Qualitätsmanagement sollte eine grundlegende Abstimmung sowie eine Überprüfung aller dokumentationsauslösender interner Anweisungen erfolgen.

  • Leistungs- und Stellenbeschreibungen sollten auf ihre Aktualität hin überprüft werden.

FAQ

Unter anderem wurden folgende Fragen von Teilnehmern auf der Fachtagung in Erfurt gestellt:

 

  1. Wo werden die ABEDL's eingeordnet?
    Antwort (Gedächtnisprotokoll):
    Pflegewissenschaftlich geht das nicht zusammen, da der Zugang ein anderer ist.

  2. Was ist mit der Pflegeplanung?
    Antwort (Gedächtnisprotokoll):
    Von der Pflegeplanung wird nicht mehr gesprochen. Es gibt nur noch die Massnahmenplanung. Als Grundlage dient das WHO-Modell des Pflegeprozesses mit seinen vier Stufen.

  3. In welches der vier Elemente wird die Biografie eingeordnet und wie erfolgt dies?
    Antwort (Gedächtnisprotokoll):
    Pflegebedürftige bzw. deren Angehörige wollen keine oder nur wenige Angaben zur Biografie machen. Daher werden nur pflegerelevante Daten in die Themenfelder eingepflegt.

  4. Wie soll das Gespräch mit hochgradig Dementen erfolgen, die auch keine Angehörigen haben?
    Antwort (Gedächtnisprotokoll):
    Die Felder werden frei gelassen und der Pflegebedürftige wird erstmal etwa sieben Tage beobachtet.

  5. Wie erfolgt die Maßnahmenplanung?
    Antwort (Gedächtnisprotokoll):
    Diese kann jeder schreiben. Hierbei geht es nicht um Pflegediagnosen.

Wie geht es nun weiter?

Eine Handlungsanleitung wurde am 07. Oktober 2014 veröffentlicht. Diese 48-seitige Handlungsanleitung zur praktischen Anwendung des Strukturmodells (ambulant / stationär), der integrierten Strukturierten Informationssammlung (SIS) mit der Matrix zur Risikoeinschätzung, der Maßnahmenplanung und der Evaluation sowie den Hinweisen zum Handlungsbedarf auf der betrieblichen Ebene kannst Du hier http://www.patientenbeauftragter.de/images/dokumente_version1/handlungsanleitung_zum_strukturmodell.pdf abrufen und ausdrucken.

 

Zudem soll Ende Oktober bis Anfang November eine eigene Webseite publiziert werden, auf welcher diese Fachtagungen abrufbar sind. Ebenso sind dort FAQ zu finden.

 

Übrigens: Den Abschlussbericht zum Projekt findest Du hier:
http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/E/Entbuerokratisierung/Abschlussbericht_und_Anlagen__fin20140415_sicher.pdf 

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